Wikinger Fakten

Schiffsbau

Hatten die Wikinger hatten keine sophistikierten Werkzeuge?
Bessere, zweckbedingte Äxte und Bohrer sind bis heute nicht entwickelt! Und beste Planken erhält man nur durch spalten mit dem Keil, also supersophistikiert!
Die Wikinger entwickelten den Schiffsbau zu einer Art Kunst und designten und bauten erstaunlich flexible Schiffe die ehr über als durch das Wasser segelten. Wie machten sie es?
Das bevorzugte material war eiche wegen seiner stärke und salzwassertauglichkeit. Es war wichtig gerade gewachsene bäume für die planken zu finden um verwundenes holz auszuschliessen. Die Planken wurden auf 1,5-2cm abgehobelt mit der sehr effektiven Biel- oder Breitaxt. Eine Arbeit für den Holzfachmann.
Das Holz wurde abgebarkt und der Stamm dann der Länge nach in 2 Hälften gespalten. Dadurch behält man den Holzfiberverlauf von unten bis oben. Dann teilte man auf die gleiche Weise mit Keilen die Hälften tortenstückartig in Segmente. Diese keilförmigen Segmentplanken wurden dann auf die gewünschte Dicke und Breite gebracht und in einem Wasserbassin gelagert. Für den Bau verwendete man dann Planken mit gerade der Eigenschaft bezüglich dicke, natürlicher Verwindung oder Planheit, die man gerade gebrauchte.
Erst wurde der Kiel, eine tiefe, breite ausgesuchte Planke aus einem Stück sorgfältig vorbereitet und auf Pallhölzern ( gestreckt). Dann fügte man die Steven an. Diese waren meist aus einem Stück, sehr massiv und schon vorbereitet die zukünftigen Planken millimetergenau in Winkel und Kimmung aufzunehmen. Dies setzte allerhöchste schiffsbauliche Kunst und geistige Vorplanung des Baumeisters voraus. Die Steven wurden dann exakt ausgerichtet und stabil fixiert. Meist gegen die Decke des Bootshauses oder auch Naust genannt. Dazwischen wurden dann die Planken oder Bords befestigt wobei die unterste Planke, das Garbord, die an Kiel und Steven fest ist noch mal größte Aufmerksamkeit und Symmetrie erforderte weil alle weiteren Planken und die spätere Form des Schiffes von dieser Arbeit abhängig war. Steven waren so wertvoll, dass man sie von Wracks abmontierte und wieder verwandte.
Es wurden keine Spanten beim Bau verwand. Die Planken wurden mit grossen Klemmen aneinander gesetzt und in der Bilge erst mit Steinen und Druckhölzern von oben auf Rumpfform gebracht und umgehend mit dem fertigen Plankengang verbunden. Dies konnte durch die Jahrhunderte durch binden mit Sehnen, nageln mit Wachholderholznäeln und später mit Eisennieten geschehen. Spanten wurden aber erst eingesetzt wenn der komplette Rumpf fertig war, d.h. Bord-Voll war.
Die Spanten waren abhängig vom Schiffstyp segmentiert also nicht durchgehend. Ein größeres Schiff, eine Knarr oder Handelsfahrer bestand eigentlich aus 2 Schiffen. Ein Boot das nahe oder teilweise unter der Wasserlinie lag mit einem darüber aufgesetzten Schiffsrumpf der den Laderaum aufnahm und das Freibord bildetet. Beide Hälften waren der Länge nach durch eine äußerst listig geformte S-förmige durchgehende Planke, den Menighyfr, miteinander verbunden. Fracht und Rigg drückten auf das untere schiff das nur tragende Eigenschaften hatte und verliehen den Fahrzeugen 14t und mehr Lastkapazität ohne im rauen Seegang den Kiel mit Garbord mit Hilfe des Mastgewichts und der Ladung herauszuschlagen.
Alle Spanten im unteren und oberen Bereich sind dabei nur lagefixiert durch Holznägel und können sich mehr oder weniger frei bewegen. Diese Methode ergab ein flexibles Schiff das sich dem Seegang anpasste und nicht durch die See pflügte also den Weg des geringsten Widerstands ging. Dabei konnten sich vor und Achtersteven frei gegeneinander bewegen ohne durch ein festes Deck in ihren Bewegungen blockiert zu sein. Verwindungen von 20cm und mehr bei größeren Schiffen in schwerer See sind keine Seltenheit. Der Wiking spricht daher auch von seiner Seeschlange.
Alle Spanten und Verbindungsknie für die Decksbalken dess lose verlegten Decks sind gewachsene Krummhölzer von Baumwurzeln und natürlich geformten Ästen die für ihre bestimmten Zwecke per Augenmass direkt in der Natur gesucht oder angelandet wurden. Das Schiff wurde so exakt gebaut das die einzige Dichtung zwischen den Plankenübergängen ein in eine Rille eingebrachter Schafswollfaden getränkt mit einer Mischung aus Talg, Teer, Harz war. Diese elastische Kalfaterung hielt viele Jahre und wurde nur durch nachschmieren mit Talg und Teer von unten unterhalten.
sail Hier war das Schiff nahezu fertig und musste nur noch geriggt werden. Als Mast diente häufig eine Tanne wegen ihrer Elastizität und guter Witterungsbeständigkeit. Je weiter aus dem Norden und tunlichst in einem Nordhang gewachsen gaben die besten Exemplare. Sie wurde mit der Wurzelseite nach oben geriggt weil die Rahe mit ihrem Gewicht hier hier am dichtest gewachsenen Holze anlag.
Der Mast wurde im sogenannten Kielschwein, ein speziell ausgewählter Stamm mit einer Mulde für den Mastfuß speziell auf dem Kiel angepasst und auf Extraspanten gelegt um das Gewicht von Mast und Segeldruck so weit wie möglich auf dem mehr zarten Rumpf zu verteilen.  Der nach achtern legbare Mast wurde dabei durch ein Keilholz in der Mulde nach achtern verriegelt und an einem speziell ausgesuchten und geformten kräftigen Decksbalken fixiert um dann mit Stagen und Wanten trimmbar seine beste Position einnahm.
Das Segel konnte aus allen möglichen mehr oder weniger geeigneten Materialien bestehen. Leinen war am besten, wolle verstärkt durch Netzgeflechte, eine Möglichkeit oder aus schmalen Tuchbahnen geflochtene Segel gab es auch. Seide aus dem Mittelmeerraum dürfte wohl das technisch ultimative Material für einen erfolgreichen Wikinger Handelsmann oder Kleinkönig und Krieger gewesen sein.

[ spätest modifiziert :  1-1-2016  ]